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, von Eckhard Bock

Eine Wirtschaft, die dem Leben dientWas ein zukunftsfähiges Wirtschafts-, Geld- und Einkommenssystem leisten sollte

Woran erkennen wir den Erfolg einer Wirtschaft? An einem steigenden Bruttoinlandsprodukt, an Unternehmensgewinnen, an wachsenden Vermögenswerten? Oder daran, wie gut Menschen versorgt sind, wie frei sie ihr Leben gestalten können und in welchem Zustand wir die Erde an kommende Generationen übergeben?

Für mich beginnt die Gestaltung einer zukunftsfähigen Wirtschaft mit einer klaren Zielsetzung: Allen Menschen ein gutes, selbstbestimmtes und friedliches Leben ermöglichen und dabei die natürlichen Lebensgrundlagen dauerhaft erhalten.

Von diesem Ziel aus müssen wir unsere wirtschaftlichen Regeln prüfen. Auch das heutige Geld- und Einkommenssystem muss sich daran messen lassen, ob es diese Aufgabe erfüllt, wo es sie erschwert und welche Veränderungen notwendig sind.

Die erste Aufgabe einer Wirtschaft ist die verlässliche Versorgung. Jeder Mensch braucht ausreichende und gesunde Nahrung, sauberes Wasser, angemessenen Wohnraum, Energie, medizinische Betreuung, Bildung und Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Teilhabe. Eine Gesellschaft sollte ihre Fähigkeiten deshalb gezielt dafür einsetzen, diese Grundlagen für alle zugänglich zu machen.

Dabei reicht es nicht, Leistungen lediglich anzubieten. Menschen müssen sie auch in Anspruch nehmen können. Eine vorhandene Wohnung hilft demjenigen wenig, der sie nicht bezahlen kann. Eine medizinische Behandlung erfüllt ihren gesellschaftlichen Zweck erst, wenn sie die Menschen erreicht, die sie benötigen. Versorgung und Zugang gehören zusammen.

Damit stellt sich die Einkommensfrage. Wie sichern wir den Lebensunterhalt aller Menschen – auch unabhängig davon, ob sie gerade eine bezahlte Beschäftigung ausüben können? Kinder, Kranke, Pflegebedürftige und ältere Menschen brauchen ebenso Sicherheit wie diejenigen, deren bisherige Tätigkeit durch technische Entwicklung entfällt.

Wenn Wissen und Technik notwendige Arbeit vermindern, sollte daraus ein Gewinn an Lebensqualität entstehen. Weniger belastende Arbeit, mehr freie Zeit, bessere Versorgung und größere persönliche Freiheit wären überzeugende Zeichen des Fortschritts.

Arbeit muss deshalb nach ihrem Beitrag zum guten Leben beurteilt werden. Welche Tätigkeiten brauchen wir tatsächlich? Welche können wir erleichtern? Welche Belastungen lassen sich vermeiden? Und wie verteilen wir die verbleibenden Aufgaben gerecht?

Dazu gehören auch Pflege, Erziehung, Haushalt, Nachbarschaftshilfe und gesellschaftliches Engagement. Ohne diese Leistungen könnte keine Wirtschaft bestehen. Ihre Bedeutung lässt sich nicht daran ablesen, ob sie bezahlt werden oder welchen Umsatz sie erzeugen.

Auch Geld und Finanzierung müssen diesem gesellschaftlichen Auftrag dienen. Sie sollen Austausch ermöglichen, sinnvolle Vorhaben finanzieren und Vorsorge erleichtern. Entscheidend ist, welche realen Verbesserungen daraus entstehen.

Wachsende finanzielle Ansprüche sind für sich genommen noch kein wachsender Wohlstand. Sie müssen aus tatsächlich erzielbaren Einkommen bedient werden können. Wo ihre Erfüllung dauerhaft zusätzliche Verschuldung, die Einschränkung notwendiger Versorgung oder die Zerstörung natürlicher Grundlagen verlangt, müssen wir die zugrunde liegenden Regeln verändern.

Dabei ist zu fragen: Wer erhält die Erträge? Wer trägt die Risiken? Wer entscheidet? Und wer muss für Schäden aufkommen? Ein tragfähiges System muss Verantwortung und Entscheidungsmacht miteinander verbinden.

Das gilt ebenso für unsere Umwelt. Sauberes Wasser, fruchtbare Böden, ein verträgliches Klima und Artenvielfalt sind Voraussetzungen unseres Lebens und Wirtschaftens. Ihr Erhalt muss deshalb in wirtschaftlichen Entscheidungen verbindlich berücksichtigt werden. Ein günstiger Preis darf nicht darauf beruhen, dass wesentliche Kosten anderen Menschen, der Natur oder kommenden Generationen überlassen werden.

Zukunftsfähigkeit braucht zugleich Freiheit und Initiative. Menschen sollen Ideen entwickeln, Unternehmen gründen und unterschiedliche Lebensentwürfe verwirklichen können. Wirtschaftliche Macht darf jedoch nicht so konzentriert werden, dass sie anderen ihre Handlungsmöglichkeiten nimmt oder demokratische Entscheidungen beherrscht.

Eine gute Wirtschaft muss außerdem Krisen verkraften. Lebenswichtige Versorgung benötigt Reserven, vielfältige Bezugsquellen und anpassungsfähige Strukturen. Internationale Zusammenarbeit sollte gegenseitige Sicherheit schaffen und faire Entwicklung ermöglichen. Dauerhafte Unterordnung und Ausbeutung gefährden dieses Ziel.

Natürlich bleiben Zielkonflikte. Versorgungssicherheit kostet Ressourcen. Ökologische Grenzen beschränken manche Wünsche. Unterschiedliche Bedürfnisse lassen sich nicht immer gleichzeitig erfüllen. Eine verantwortliche Gesellschaft muss solche Konflikte offenlegen und fair entscheiden.

Deshalb brauchen wir auch andere Maßstäbe für wirtschaftlichen Erfolg: Versorgungssicherheit, Gesundheit, verfügbare Zeit, persönliche Freiheit, gerechte Teilhabe, ökologische Stabilität und ein friedliches Zusammenleben.

Die entscheidende Zukunftsfrage lautet für mich: Wie ermöglichen wir allen Menschen eine dauerhaft hohe Lebensqualität – mit möglichst wenig erzwungener Arbeit, Ressourcenverbrauch, Abhängigkeit und Gefährdung anderer?

An dieser Frage sollten wir bestehende Strukturen und neue Vorschläge gleichermaßen prüfen. Keine Wirtschaftsordnung steht außerhalb dieser Prüfung. Unsere Regeln sind veränderbar. Es liegt an uns, sie so zu gestalten, dass unsere Fähigkeiten dem Leben dienen.

Eckhard Bock · IKS Hessen
NEUE IDEEN FÜR EINE NEUE POLITIK

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